Rundschreiben an alle Ministranten von Pfarrer Wolfgang Kesenheimer


Liebe erwachsene und fast erwachsene Ministranten in allen drei Orten!

Die Corona-Pandemie hat unser, hat Euer Leben total umgekrempelt. Von einem Tag auf den anderen war nichts mehr wie zuvor. Euer persönliches, privates Leben war und ist immer noch eingeschränkt; Schule, Sport, Freizeitgruppen und Cliquen lagen auf Eis. Auch die Kirchen waren davon stark betroffen. Der Ausfall der österlichen Gottesdienste – angefangen vom Gründonnerstag bis zur Vesper des Ostersonntag war für viele von uns eine Katastrophe. Andere, die eine nicht so starke Bindung an die Kirche und an deren innere Kraft der Liturgie haben, mögen das weniger stark empfunden haben.

In der Öffentlichkeit, in Nachrichten, in den Zeitungen kommt die Kirche so gut wie nicht vor: da ist es nur wichtig zu fragen, wann wir wieder in Gaststätten können, wann wir ins Ausland fliegen dürfen.

Ich frage mich: was macht diese verkürzte Darstellung, diese Ausblendung mit uns? Es ist gut, wenn wir darüber einmal messerscharf nachdenken.

Fazit: die Corona-Krise wird die Kirchenbindung ihrer Mitglieder – und damit das Gesicht der Kirche deutlich verändern.

Jeder und jede Einzelne ist jetzt gefragt. Wir sind in die Entscheidung gerufen. Welchen Weg wollen wir künftig gehen? Mit der Kirche, so intensiv, wie bisher? So, dass sie uns trägt, dass wir in ihr Heimat haben? Oder eher am Rande? Anders gefragt: habe ich vor, auch künftig zu praktizieren, d.h. am kirchlichen Leben teilzunehmen, es mit zu gestalten, oder lebe ich künftig lieber aus den schönen Erinnerungen, die Teil meiner Kindheit und Jugend waren. Diese werden allerdings im Laufe der Zeit stark verblassen, wie bei vielem, das man getrost hinter sich lässt.

Wir waren durch „Corona“ gezwungen das gottesdienstliche Leben, aus dem sich das Christentum nährt, gänzlich auszuschalten, – später dann langsam wieder zu zulassen. Es waren jeweils nur zwei Ministranten am Altar zugelassen. Jenen, die so treu gedient haben, die von sich aus kamen, die sich – manchmal in letzter Minute – vom Mesner noch rufen ließen, danke ich besonders.
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All jenen, die aus wirklich gesundheitlichen Gründen fern blieben, oder im Abstand mit feierten, zolle ich meinen uneingeschränkten Respekt.

Die Gefahr, die Corona-Krise zum Anlass des Ausstieges, oder des gänzlichen Rückzugs zu machen, ist groß. Darüber muss jeder und jede selbst entscheiden. Mir wäre eine uneingeschränkte Ehrlichkeit sich selber gegenüber und auch mir gegenüber am liebsten.

Die Einstellung, „es geht auch ganz gut ohne“ ist weit verbreitet. Und zwar in allen Generationen. Das ist aber ein gefährliches Spiel, denn nur das, was wir lebensmäßig behalten, integrieren, verinnerlichen, pflegen, weiterentwickeln, kann auch unser künftiges Leben bestimmen. Diesen Zusammenhang rate ich wohl zu überlegen.

Ich schreibe Euch diese, meine Gedanken, weil ich ja sonst gar keine Gelegenheit habe, an Euch heran zu kommen. Aus genau diesem Grund habe ich Euch über die großen österlichen Tage auch mit meinen Artikeln und theologischen Erklärungen begleitet. Dass ich dazu nur ganz wenig Rückmeldung bekam, hat mich verunsichert.

Bewusst habe ich auf das Angebot einer Liturgie im kleinen Rahmen verzichtet. Ich denke, es galt einfach, den Schmerz der Aporie, des Karsamstags, der Abwesenheit christlich prägender Feiern auszuhalten, auszuhalten, um den großen Wert dessen ganz neu schätzen zu lernen und bei Öffnung nach der Krise umso freudiger und überzeugter zu leben.

Genau darauf hoffe ich jetzt, – auf dieses Anliegen zielt mein Brief ab. Bitte gebt das nicht auf, was uns vor der Krise heilig war, uns getragen hat.

Ab dem 01. Juli sind die kirchl. Corona-Bestimmungen dahin gehend gelockert, dass wir mehrere Ministranten im Chorraum, bzw. auf der 1. Bank zulassen können. Der Abstand von 1,5 Meter muss eingehalten werden. Die Zahl der möglichen Ministranten richtet sich nach der Größe des Chorraumes. Bewusst werden wir auf Markierungen verzichten. Ich bin überzeugt, dass Ihr in verantwortungsvoller Weise mit den Vorgaben umgehen könnt. Das Gleiche gilt für den Umgang in den Sakristeien.

Liebe Eltern,

lesen Sie bitte aufmerksam die Worte, die ich den älteren Jugendlichen und den Erwachsenen geschrieben habe. In gewisser Weise sind Sie ja auch darin angesprochen, Was Ihre jungen und jugendlichen Kinder betrifft, so müssen Sie selber – im Gespräch mit den jungen Leuten zu verantwortbaren Entscheidungen kommen, die ich selbstverständlich respektiere, und die Sie auch vor niemandem rechtfertigen müssen. Ihre Kinder gehen schon längst wieder zur Schule, treffen sich in der Freizeit: sie gehen verantwortungsbewusst mit dieser Situation um. Wenn Sie es verantworten können, dann dürfen auch Ihre Kinder soweit es die Begrenztheit des Chorraumes zulässt, wieder ministrieren. Um die Kinder und die Jugendlichen in der Pubertät mache ich mir wirklich Sorgen. Bitte begleiten und animieren Sie die Jugend. Dabei ist ihr Vorbild von großem Wert und unersetzbar.

Liebe Kinder, liebe Jugendliche,

Ihr habt jetzt eine schwere Zeit hinter Euch. Ihr durftet eine ganze Zeit nicht raus, durftet Euch nicht mit Kameraden treffen, in üblicher Weise zur Schule gehen. Das war für Euch neu und eine ganz starke Herausforderung. Ihr sollt wissen, dass Ihr bei den Ministranten hoch geschätzt und integriert seid. Daran kann eine Krise nichts ändern. Wir zählen auf Euch und freuen uns, wenn Ihr – in Absprache mit Eueren Eltern – wieder mitmachen dürft.

Ihr Lieben, Erwachsene, wie Kinder, ganz wichtig ist mir zu sagen, dass Gott gerade in Zeiten der Krise für uns Menschen da ist. Er ist ansprechbar, auch im Gebet. Er begleitet Euer Leben mit seiner Fürsorge. Vergessen dürfen wir jene nicht, die viel durchgemacht haben, überall auf der Welt; jene, die jetzt noch betroffen sind.

Eines haben wir durch die Krise neu gelernt: unser Leben ist fragil, zerbrechlich. Und: es ist nichts selbstverständlich.

Großen Dank all jenen aus dem Kreis der Ministranten, die – besonders auch in den Zeiten der Stille . die Gemeinschaft getragen, motiviert, begleitet habe.

Bleiben wir einander treu, und bleiben wir Gott treu!

Euer Pfarrer

Wolfgang